
Das Phänomen der Enshittification (in Fachdeutsch: Plattformverfall) hat inzwischen auch Kleinanzeigen voll erfasst.
Die Unzufriedenheit spiegelt sich in Trustpilot ziemlich bildhaft: 1,1 von 5 Sternen.
Seit der Übernahme durch den norwegischen Online-Marktplatz-Konzern Adevinta lässt sich der typische dreistufige Verfallsverlauf beobachten:
Erst wurden die Nutzer angelockt, dann die geschäftlichen Händler mit kostenlosen Angeboten, und nun wird die Plattform aggressiv monetarisiert, um maximalen Profit für die Investoren herauszuschlagen. Dabei werden vor allem die gewerblichen Nutzer ausgepresst, aber auch die privaten Nutzer mit aggressiver Werbung überschüttet.
Die Entwicklung bei Kleinanzeigen ist vor allem durch folgende Faktoren besonders schmerzhaft, nachdem sie der letzte Zufluchtsort für Händler war, die nicht Opfer von Amazon, Etsy, Ebay und co. werden wollten:
1. Einschränkungen, massive Gebühren, Gebührenerhöhungen & Pay-to-Win
- Gewerbliche Anbieter wurden mit drastischen Grenzen für kostenlose Anzeigen belegt, die sich jedes Jahr weiter verschärft haben. Von 100 auf 50 auf 10 pro Kategorie auf 2.
- Dazu kam die gebührenpflichtige Verlängerung von Anzeigen
- Pakettarife (Basic! Power! Premium!!) und Einstellgebühren für gewerbliche Anbieter, die immer weiter steigen – und die ziemlich lächerlich sind!
- Verkürzte Laufzeiten von Anzeigen, damit man effektiv ohne Pakettarif doppelt so viel zahlen muss
- Für Sichtbarkeit muss zunehmend bezahlt werden („Pay-to-Win“). Wer nicht für „Highlights“ oder das „Hochschieben“ zahlt, geht in der Masse unter.
2. Aggressive Werbung und Spam
- Die Suchergebnisse und der Feed sind massiv und aggressiv mit externer Werbung und gesponserten Anzeigen überfrachtet.
- Die Einführung von neuen „PRO-Funktionen“ erlaubt es Händlern, die Suchtergebnissen zu manipulieren, was von Nutzern zunehmend als Spam wahrgenommen wird.
3. Privatsphäre für die Katz (KI-liest mit)
- Kleinanzeigen lässt die privaten Chatnachrichten zwischen Käufern und Verkäufern nun standardmäßig durch eine Künstliche Intelligenz auswerten, um automatisierte Antwortvorschläge zu generieren. [1] Dies geschah ohne aktives Opt-in der Nutzer.
4. Kundenservice und Automatisierung
- Der Kundenservice wird zunehmend durch Bots und automatisierte Lösch- oder Sperralgorithmen ersetzt. Bei fälschlichen Sperrungen kann es für Nutzer unmöglich sein, einen echten Menschen zu erreichen, der das Problem löst. [1].
- Wenn einmal der Zugang zu einem Konto verloren gegangen ist, interessiert es niemandem so richtig, diesen wieder herzustellen.
5. Betrüger, überall Betrüger! Und der teurer Käuferschutz ist ein Witz
- Die Unmenge an Betrugsversuche wäre etwas einfacher zu verdauen, wenn der Käuferschutz etwas bewirken würde. Aber nein: Hohe Unzufriedenheit auch mit Käuferschutz. Am Ende ist er kaum mehr als eine extrem teure Zahlungsabwicklung mit Placebo-Beruhigung.
Danke Kleinanzeigen.de, dass ihr uns die Motivation gegeben habt, die Dinge anders zu tun.